schnuerspavillon

1. Vorwort
Im Zuge der Renovierungen, die ich im Rahmen des Sanierungsprogramms Stoschek/
Volkmann seit 2013 in Coburg bearbeitet habe, ist es mir gelungen, mehrere Eigentümer der
verfallenden Häuser in Coburg zu einer Sanierung zu gewinnen. Beispiele sind Webergasse 4,
Oberer Bürglaß 15, Steintor 8, Bayern-Str. 10, Judengasse 29, Judengasse 50 Hinterhaus
und teilweise Judengasse 37. Außerdem die Gesamtsanierung des Hauses Victoriastraße 10,
welches für die Gemeinschaft Stadtbild Coburg 2016 gekauft wurde.
Nicht gelungen ist der Versuch beim Haus Oberer Bürglaß 9. Hier hatte ich für die damalige
Eigentümerin, Frau Dr. Forkel bereits einen potenten Käufer gefunden, der das Haus kaufen
und grundlegend sanieren wollte. Bedauerlicherweise ist Frau Dr. Forkel kurz vor Abschluss
des Vertrages verstorben, sodass ihre Nichte das Haus veräußert hat und dieses nun in noch
schlechteren Zustand steht, als dies zu Lebzeiten von Frau Dr. Forkel der Fall gewesen ist.
Bei zwei Gebäuden am Glockenberg und einem prominenten Gebäude Steintor 21 (alle
Gebäude vom gleichen Eigentümer) und einem verfallenden Gebäude in der
Seidmannsdorfer Straße 35 ist dies jeweils an der Person des Eigentümers gescheitert,
obwohl finanzielle Mittel angeboten worden sind.
Wichtiger als diese vorgenannten Gebäude ist aber das alte Färberhaus Schützenstraße 1. Es
steht im Sanierungsgebiet; es ist Eigentum der Stadt Coburg; und es verfällt im Laufe der
Jahre immer stärker. Als ich vor ca. fünf Jahren mit Herrn Hauser das Gebäude besichtigte,
war es zwar in schlechtem Zustand, jedoch nicht so verfallen, wie bei der jetzt letzten
Besichtigung am Dienstag, 02.10.2018 mit Herrn Hauser von der Wohnbau und Herrn
Drexler aus München.
Neben den zum jetzigen Zeitpunkt 258 Gebäuden in Coburg, die ich im laufenden
Sanierungsprogramm bearbeitet habe, war es mein - als Abschluss gedachtes - Ziel, dieses
alte Haus zu retten und zu sanieren. Mir war jedoch bewusst, dass auch die von
Stoschek/Volkmann bereit gestellten Mittel die Kosten dieser Sanierung nicht tragen könnten.
Im Zuge der Fassadenprämierung 2018 konnte ich feststellen, dass nach mehr als 30-
jährigen Bemühungen das Haus Mohrenstraße 1 hervorragend renoviert worden war. Diese
Arbeiten hatte die Firma des Herrn Xaver Drexler, München, ausgeführt, das Haus danach
jedoch verkauft. Hierdurch kam ich mit Herrn Drexler zusammen und stellte fest, dass auch
er sich gerne sehr schwierige und verwahrloste Häuser zur Renovierung vornahm und in
München die entsprechende Firma mit allen möglichen Sanierungsleistungen zur Verfügung
hatte. Er fragte mich nach einem sanierungsbedürftigen Gebäude und ich verwies ihn auf
Schützenstraße 1.
Schon bei der Besichtigung von außen war er begeistert; am 02.10.2018 besichtigten wir
nun das Haus insgesamt auch von innen zusammen mit Herrn Hauser von der Wohnbau. Der
schreckliche Zustand des Gebäudes schreckte Herrn Drexler nicht ab, sondern ließ ihn sofort
Pläne für eine umfassende Sanierung schmieden. Die Wohnbau stellte ihm nunmehr die
Pläne zur Verfügung. Er hat mich als seinen örtlichen Beauftragten gebeten, ihn zu
unterstützen. Er wollte nun ein Sanierungskonzept vorlegen und - wenn die Stadt Coburg
zustimmt - das Haus gegebenenfalls erwerben und sanieren.
Auf diese Weise kann es noch gelingen, dass ich meinen Wunsch nach der Sanierung dieses
Hauses noch in Erfüllung gehen sehe.

2. Denkmalseigenschaft des Hauses, Pläne, Sanierungsziel
Der Text der Denkmalliste lautet:
„Schützenstraße 1
Das zweigeschossige Wohnhaus mit Nebengebäuden entstand im 17. Jahrhundert. Das
Anwesen mit einer ehemaligen Werkstatt diente bis ins 19. Jahrhundert dem
Färberhandwerk. Das Wohnhaus weist ein Satteldach auf. Auf dem Erdgeschoss, mit einem
massiven Sockel, ist über einem profilierten Holzgesims ein Obergeschoss mit einer
zurückgesetzten, verputzten Fachwerkfassade angeordnet. Die Fassadengestaltung mit fünf
Achsen zur Schützenstraße veranlasste 1860 der Färbermeister Ernst Sippel. Die östliche
Giebelseite ist entsprechend der Raumanordnung unregelmäßig durchfenstert. Der
Westgiebel ist verschiefert und besitzt oben zwei Holzläden zur Nutzung als Trockenboden.
Die westlich an das Wohnhaus nachträglich angebaute Färberei hat vier Achsen und wurde
1863 um ein Fachwerkobergeschoss und den Trockenboden mit Holzwänden und
Lamellenläden aufgestockt“.
8 a Schützenstr. 1 ehem. Jacobi
3. Voraussetzungen der Sanierung
3.1. Bei einer Vorbesprechung betreffend das Interesse des Herrn Drexler an einer
Sanierung wies Herr Geschäftsführer Meyer darauf hin, dass ein Aufsichtsrats-
beschluss vorliege, nach dem das Gebäude nicht verkauft werden solle. Dies
bestätigte auch Herr Wessels mit der Begründung, es liege hier ein
Sanierungsgebiet vor und gegebenenfalls müsse der gesamte Platz vor dem Haus
neu gestaltet werden.
Angesichts der in den letzten Jahren verstärkten Zerstörung des Gebäudes ist dies
kontraproduktiv. Wenn sich nun jemand findet, der dieses Haus hervorragend
renovieren will, wäre es nicht nachvollziehbar, wenn wegen künftiger Platzge-
staltungspläne das Haus nun dem weiteren Verfall überlassen bliebe. Herr Drexler
will das Haus mit dem Vorgarten (bis zum Zaun) renovieren. Dies steht einer
künftigen Platzgestaltung nicht entgegen. Im Gegenteil, Herr Drexler ist bereit,
auch dabei mitzuwirken. Selbst bei einer künftigen Veränderung Platzes vor dem
Gebäude wird diese Gestaltung in jedem Fall dort enden, wo der Zaun des
Vorgartens steht.
Wann diese Neugestaltung erfolgen soll, ist völlig offen. Somit erscheint es
dringend erforderlich, den bestehenden Beschluss aufzuheben und das Haus zu
verkaufen, um den weiteren Verfall zu vermeiden.
3.2. Aber auch Herr Drexler – wie jeder künftige Eigentümer des Hauses - hat
natürlich Vorgaben, wenn er sich mit der Renovierung dieses verwahrlosten
Gebäudes beschäftigen wird. Ich liste diese Vorgaben auf:
3.3. Der riesige Nadelbaum muss gefällt werden.

3.4. Die Garage, die im Vorhof steht, muss abgerissen werden. Herr Drexler wird die
dann freigelegte Wand der Gaststätte renovieren.
3.5. Das Dach des westlichen Anbaus muss, um es ausbauen zu können, um ca. 50 cm
angehoben werden. An diesem linken (niedrigeren) Anbau muss der Dachstuhl
erneuert werden, da einige der Balken und die Ziegel verbraucht sind. Es regnet
bereits durch das Dach.
3.6. Um einen Ausbau für Wohnungen zu erreichen, sollten auf beiden Dächern zwei
Gauben eingebaut werden, wie diese im Sanierungsbeispiel des Herrn Witter
(siehe oben) vorhanden sind.
3.7. Im Erdgeschoss müssten zwei Fenster zum Hinterhof geöffnet werden, um in die
EG-Wohnung Licht zu bringen.
3.8. Bei einem Ausbau des Dachs könnten insgesamt sechs Wohnungen geplant
werden, drei davon mit ca. 100 qm; um diese attraktiver zu gestalten, denkt Herr
Drexler an leichte Balkone wie am Sanierungsbeispiel (siehe oben); bei geschickter
Planung wären evtl. sogar 9 kleinere Wohnungen für Studenten möglich.
3.9. Der alte Zaun am Vorgarten wird erhalten, sandgestrahlt und überarbeitet.
3.10. Bei der Farbgestaltung könnte sich Herr Drexler die Farben des Sanierungs-
beispiels (siehe oben) auch bei diesem Haus vorstellen.
3.11. Ein größeres Problem könnte die Eckwand nach Süd-Osten bieten, da diese
offensichtlich ausgebaucht, gerissen und möglicherweise nicht mehr standfest ist,
so dass sie unterfangen werden müsste.

4. Weiteres Vorgehen
Nach den inzwischen von Herrn Hauser übergebenen Plänen wollte Herr Drexler einen
Sanierungsvorschlag erarbeiten lassen. Da er nun mitteilte, dass seine Planungsabteilung
überlastet sei, hat die Gemeinschaft Stadtbild einen Architekten beauftragt, der nun nach
Übergabe der Pläne und einer Ortsbesichtigung zwei Alternativplanungen erarbeitet. Diese
wird Herr Drexler oder ich als sein Vertreter dem Aufsichtsrat der Wohnbau vorlegen mit
dem Antrag, das Haus zu verkaufen und den Sanierungsplänen zuzustimmen.
Vor einem Kauf sollten allerdings einige der vorgenannten Voraussetzungen mit dem
Landesamt für Denkmalpflege erörtert und abgeklärt werden, um nicht nach dem Kauf mit
einer Vielzahl von nicht zu erwartenden Auflagen überrascht zu werden.
Herr Hauser hat bereits auf eine Vielzahl von Sanierungsunterstützungen hingewiesen, die
sich aus dem Standort im Sanierungsgebiet ergeben; zudem sind Abschreibungen wegen der
Denkmalseigenschaft in vollem Umfang möglich; außerdem werden wir versuchen, sonstige
Zuschüsse zu erhalten, so zum Beispiel vom Landesamt für Denkmalpflege, Oberfranken
Stiftung, bayerische Landesstiftung, Kulturerbe Bayern, Stadt Coburg und letztlich auch-
soweit dann noch vorhanden-aus den Mitteln der Sanierungsmittel Stoschek/Volkmann durch
die Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V.