schnuerspavillon

Vortrag Prof. Scheiblauer im „Stadtbild“
In Frankfurt, sonst beherrscht von glänzenden Bankentürmen, wurde am Römerberg eine
„neue Altstadt“ errichtet; im „Stadtbild Coburg“ gaben das Haus Albertsplatz 4 und die
Planung eines Wohnturmes am Bärenturm Anlass zu langen Diskussionen zum Thema
modernes Bauen in alter Umgebung.

Angeregt durch diese Diskussionen plant Stadtbild nun eine Informationsfahrt nach
Frankfurt. Um dies vorzubereiten, war Frau Anne Christin Scheiblauer, emeritierte Professorin
für Städtebau an der FH Frankfurt eingeladen zu einem Vortrag am 29.03.2019 im
Hexenturm.
Im ersten Teil ihres Vortrags ging sie auf Coburger Themen ein.
Die Planungen am Bärenturm lehnt sie aus städtebaulichen Gründen ab. Der gut ablesbare
innere Stadtmauerring verlöre durch eine weitere Bebauung an dieser Stelle an Klarheit, der
denkmalgeschützte Bärenturm mit seinen symmetrischen Anbauten bekäme durch einen
weiteren Turmbau Konkurrenz und verlöre an Kraft – ganz abgesehen von der unsensiblen
Architektursprache des geplanten Gebäudes.
Albertsplatz 4 ist in der jetzigen Gestaltung weder modern noch alt. Die Fassade verstößt
gegen die Gestaltungssatzung; sie ist anspruchslos im Vergleich mit den umstehenden alten
Häusern. Die Außenhaut mit Dünnputz über Wärmedämmverbundsystem sei insbesondere
im EG-Bereich anfällig und problematisch. Dennoch pflichtete sie „Stadtbild“ bei, dass auch
mit wenig aufwändigen äußeren Retuschen eine Verbesserung möglich sei.
Von der spät aber identisch wieder aufgebauten Dresdner Frauenkirche ausgehend, die sie
als gelungenen Bau zur Verbesserung des Stadtbildes ansieht, leitete sie zur kurz nach dem
Krieg verändert wieder errichteten Frankfurter Paulskirche über.
Bei dem Frankfurter Hang zu verdichteten Hochhausquartieren zeigte sie Verständnis für den
Wunsch der Bürger, die kriegszerstörten Teile im Herzen der Stadt zwischen Dom und Römer
als geschichtliche Erinnerung wieder sichtbar zu machen. Dabei ging sie auf die Bedeutung
der freien Reichsstadt Frankfurt als Handels- und Krönungsstadt ein. Es sei nicht richtig, aus
Rücksicht auf eine Kriegsschuld die Hinwendung zur eigenen Geschichte und deren Ausdruck
in rekonstruierten Bauwerken abzulehnen – auch wenn von vielen Architekten diese als
Disney-Land für Touristen angesehen werden.
Frankfurt
Der Frankfurter Stadtrat hatte den Mut, die Anregungen der Bürger aufzunehmen und das
komplexe Projekt „Neue Altstadt“ ab 2007 mit viel organisatorischem und finanziellem
Aufwand (u.a. Architekturwettbewerben) in Angriff zu nehmen – auch gegen die kritischen
Bedenken von Architekturexperten. Für den Erfolg des Projektes, das den Frankfurtern „das
historische Herz“ zurückgegeben hat, sprechen nicht nur die vielen Besucher - bei der
Immobilienmesse in Cannes im März dieses Jahres erhielt die neue Altstadt den
internationalen Mipim Preis 2019 für ihre räumliche, architektonische und handwerkliche
Qualität.
Die zahlreichen Zuhörer applaudierten einem Vortrag, der geschichtliche, soziale und
architektonische Aspekte des neuen Bauens in alter Umgebung gelungen zusammenfügte.
Der 1. Vorsitzende Dr. Eidt dankte nach einer regen Diskussion der Vortragenden und wies
darauf hin, dass bei Interesse für eine Beteiligung an der Zweitagesfahrt am 27./28. April
Anmeldungen noch möglich sind.Neues Bauen in alter Umgebung