schnuerspavillon

 

In der Tageszeitung Neue Presse wurde Anfang Oktober über den riesigen Flohmarkt berichtet und darauf hingewiesen, dass diese Belebung der Innenstadt durch Altstadtfeste in den 80er Jahren angeregt wurde. Wer damals diese Feste organisierte, wurde aber nicht berichtet, deswegen: Leserbrief an die Tageszeitungen nach dem Coburger Flohmarkt am 30.10.2012
 Sehr geehrte Damen und Herren,
die Tageszeitungen berichten überschwänglich von dem großen Ereignis des Flohmarktes "Größter Basar Oberfrankens").
Nur ganz am Rande findet sich der Hinweis:
"Der Coburger Flohmarkt nahm seine Anfänge in den 80er Jahren. Damals waren rund um die Morizkirche Stände aufgebaut. Ziel war es, Kindern die Möglichkeit zu bieten, Spielwaren zu tauschen oder zu verkaufen".
Als Vorsitzender dre Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V. finde ich es großartig, dass sich überhaupt noch jemand an diese Anfänge erinnert; immerhin ist dies 2013 ein Jubiläumsjahr mit 35 Jahren.
Da wäre es doch sinnvoll, in den Zeitungen einmal über die Anfänge und insbesondere die immensen Schwierigkeiten zu berichten, die den ersten Initiatoren bereitet wurden.
Denn der erste Flohmarkt in Coburg um die Morizkirche wurde von der Gemeinschaft Stadtbild Coburg organisiert im Rahmen der damals von uns begonnenen ALTSTADTFESTE. Unser Ziel war es , in der ereignislosen Stadt (damals gab es keine Marktfeste, keinen Klößmarkt, kein Sambafest oder ähnliches) Leben in die Stadt zu bringen und den Bürgern zu zeigen, wie schön ihre Heimatstatd gerade in der Altstadt sein kann. Also wagte ich es mit einigen Unerschrockenen, ein Altstadtfest zu organisieren. Wir schafften Verkäufer heran; bauten ein Podium für verschiedene Jugendmusikgruppen auf; gewannen Handwerker, die in den Nischen an der Morizkirche ihre Kunstfertigkeit zeigten; der damalige Kirchenmusikdirektor gab ein viel beachtetes und für uns kostenloses Orgelkonzert.
 
Und nicht zuletzt fand am Sonntag der Kinderflohmarkt statt.
Nun sollte man meinen, dass diese Initiative in der Stadt, der Verwaltung und insbesondere dem damaligen OB Höhn hätte Freude bereiten sollen.
MITNICHTEN!! Seitens der Stadt tat man alles, um das Fest zu verhindern, jedenfalls aber die Organisation zu stören.
Einige Beispiele, die bisher noch nie veröffenticht wurden;
1) Im Genehmigungsbescheid war uns aufgegeben, einen Toilettenwagen aufzustellen, weil die umliegenden Gaststätten und sonstigen Einrichtungen nicht ausreichen würden. Der stadteigene Toilettenwagen wurde uns aber verweigert, so dass wir für erhebliche Kosten den Toilettenwagen der Stadt Burgkunstadt anmieten und mit einem landwirtschaftlichen Traktor eines guten Freundes nach Coburg und zurück schleppen lassen mußten.
2) Wir mußten mit unseren wenigen vereinseigenen Helfern stets einen Ordnungsdienst, kenntlich gemacht mit Armbinden auf dem Platz nachweisen, so dass sogar unser altes Mitglied Herbert Appeltshauser sich stundenweise zur Verfügung stellte.
3) Und in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag sowie nach Beendigung des Kinderflohmarktes war die Auflage, dass der gesamte Platz gereinigt werden musste. Meine Bitte, doch vieleicht die städtische Kehrmaschine einzusetzen, wurde rundweg abgelehnt. Allerdings wurde sechs Reisigbesen zur Verfügung gestellt, so dass wir, ich als Hauptverantwortlicher mit mehreren guten Helfern, am Sonnabend gegen 24 Uhr den gesamten Kirchplatz und die Flächen um die Kirche herum mit den Besen fegten.
Das waren die Anfänge, an die man heute nach der städtischen Reinigung der gesamten Innenstadt nach dem Flohmarkt einmal erinnern sollte.
 Dennoch: bei allen Anstrengungen und bei allem Ärger war dieses Fest ein großer Spaß nach unserem damaligen Motto:
Wir feiern Feste; wir feiern feste; wir feiern feste Altstadtfeste!
Im Jahr darauf - 1979 - wiederholten wir das Altstadtfest, nun mit etwas mehr Unterstützung der Stadt - OB Höhn ließ sich sogar auf Bitten herab, von den Kirchenstufen eine kurze Eröffnungsrede zu halten.
Und trotzdem haben wir diese Feste nicht fortgesetzt:
zum einen waren wir dazu finanziell nicht in der Lage. Während alle Budenbesitzer und Flohmarktbeschicker Geld einnehmen konnten, mußten wir alle mit der Organisation anfallenden Kosten tragen. Als dann noch die GEMA auf uns zukam und wegen der vielen Besucher Gebühren von uns forderte, weil die auftretenden Musikgruppen "geschützte" Melodien verwendet hätten, wurde unser Engagement zu kostspielig.
Und schließlich begann dann in der Stadt ein immer stärker werdendes öffentliches Veranstaltungswesen, so dass die Saat, die Stadtbild gesät hatte, Früchte getragen hatte.
Ich danke heute noch allen - auch teilweise inzwischen verstorbenen Mitgliedern - die die Durchführung dieser anstrengenden Feste mit ermöglicht haben.
 
Dr. Hans-Heinrich Eidt, Coburg
1. Vorsitzender der Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V.