schnuerspavillon

Biedermeierliches Coburg

Bisher unveröffentlichte Darstellungen der Coburger Innenstadt um 1850

Ihr zehnjähriges Bestehen als Bürgerinitiative für Denkmalschutz in Coburg gibt der Gemeinschaft Stadtbild Coburg e. V. Veranlassung, in bisher unveröffentlichten Ansichten aus dem letzten Jahrhun­dert das Bild einer Kleinstadt auferstehen zu lassen, deren baulichen Bestand die Gemeinschaft auch für die Zukunft bewahrt wissen will. Dem Spürsinn unseres Vorstandsmitglieds Herbert Appeltshauser ist es gelungen, den überwiegenden Teil der Darstellungen in Windsor Castle aufzufinden. Der freundlichen Unterstützung des englischen Königshauses, der Coburger Kunstsammlungen und ihres Direktors Dr. Kruse ist es zu verdanken, daß wir die Bilder veröffentlichen können. Der engagierten Mitarbeit aller Mitglieder und Freunde der Gemeinschaft gebührt der Dank für die Finanzierung die­ser Bildmappe.

In diesen Bildern ist ein Stück Vergangenheit, ein Stück Geschichte dieser Stadt enthalten. Und doch kündigt sich in ihnen bereits die aufkommende Industrialisierung an, die in letzter Konsequenz durch die Entwicklung der Motorisierung vielen mittelalterlichen Städten den Todesstoß versetzte: vierspu­rige Autostraßen, Parkhäuser, Brückenbauwerke zerschlugen zusammen mit einer oft rücksichtslosen Neugestaltung ganzer Stadtviertel die harmonisch gewachsenen Stadtbilder. Umgekehrt aber zeigen diese Bilder auch, daß nicht alles Überkommene schon deswegen erhaltenswert ist, weil es gewohnt und alt ist. Ein Vergleich zwischen der Ansicht des Zinkenwehr um 1844 mit seiner Neugestaltung zwischen 1862 und 1870 beweist, daß auch das „Neue" und „Moderne" ein harmonisches Ganzes schaffen kann. Allerdings zeigt gerade das Beispiel Zinkenwehr, daß die damaligen Planer sehr behut­sam vorgingen und bei der neuen Bebauung die Kleingliedrigkeit der Fassaden ebenso erhielten wie den Abstand der Häuserfronten vom Straßenrand. Man fügte Neues in den alten Bestand ein, suchte eine Verbindung zwischen neu und alt, ohne das Gesamtkonzept aufzugeben.

Wenn es gelingt, durch die Reproduktion der Bilder aus dem vorigen Jahrhundert uns heute Lebenden Anregungen und Denkanstöße zu geben, wenn es gelingt, hinter den oft verfallenden Fassaden reno­vierungsbedürftiger Gebäude das ursprüngliche Gesamtkonzept aufzuspüren, und wenn es gelingt, verständnisvoll Erhaltenswertes zu bewahren, aber Erneuerungsbedürftiges behutsam zu ersetzen, dann ist die Aufgabe dieser Veröffentlichung und der Auftrag der Gemeinschaft Stadtbild Coburg e. V. erfüllt. Denn dann bildet die Stadt insgesamt ein harmonisches Gewachsenes, ein markantes Ganzes, das „Heimat" werden kann. Wir danken allen, die an dieser Aufgabe mitgearbeitet haben und in Zukunft noch mitarbeiten werden.

Dr. Hans-H. Eidt

 

Im August 1843 beschlossen Königin Victoria und Prinz Albert gegen den Willen einiger ihrer Mini­ster, ihre erste Auslandsreise zu König Louis Philippe von Frankreich zu unternehmen. Der Bürger­könig war ein alter Freund des Vaters der Königin, des Herzogs Eduard von Kent. Seine Tochter Marie Louise hatte Victorias Onkel Leopold, den König der Belgier, geheiratet, und sein Sohn, der Herzog von Nemours, war mit der Prinzessin Victoria aus dem Hause Coburg-Kohari vermählt. Es war also mehr ein Verwandten- als ein Staatsbesuch. Beim Abschied nach fünftägigem Aufenthalt in der Normandie schenkte der König Victoria und Albert unter anderem ein großes, schweres, in goldbedruck­tes Leder gebundenes Album, das Aquarelle und Zeichnungen französischer Künstler von Chäteau d'Eu und der umgebenden Landschaft enthielt. Nach dem Vorbild dieses Albums ließ die Königin eine Reihe gleich unhandlicher Folianten anfertigen, in deren Seiten die Aquarelle und Zeichnungen einge­klebt wurden, die sich im Laufe der Zeit in den königlichen Schubfächern angesammelt hatten. Es waren dies Ansichten von Schlössern, Innenräumen, Staats- und Familienereignissen, Landschaften und Porträts, mit denen man zunächst ziemlich sorglos und ohne thematische und chronologische Ordnung die Bücher füllte. Erst als Prinz Albert nach der zweiten Auslandsreise in die Coburg-Gothaische Heimat im Sommer 1845 sich der Alben annahm, wurden diese mit mehr Methode angelegt. Der Prinzgemahl war es wohl auch, der die im Besitz des Königshauses befindlichen älteren Bestände an Coburgensien sowie die von ihm und der Königin während der Deutschlandreise von 1845 ange­kauften und bei deutschen und englischen Künstlern in Auftrag gegebenen Aquarelle und Zeichnun­gen in Band VII und VIII der Souvenir-Alben einordnete. Bis zum Tode des Prinzen war die Reihe auf 15 Bände angewachsen.

Ein Jahr vor der geplanten Reise sandte Königin Victoria den 24jährigen William Corden nach Coburg, um dort eine Folge von Aquarellen zu malen, die ihr ein unverfälschtes Bild von der Heimatstadt ihres Gatten vermitteln sollten. Der junge Künstler wurde von der Königin und dem Prinzen Albert als tüchtiger Figurenmaler geschätzt und viel beschäftigt; Porträtaufträge führten ihn an mehrere eu­ropäische Höfe. Er soll in den Diensten der königlichen Familie 400 Bilder gemalt haben, die sich zum größten Teil im Schloß Windsor befinden. Seine in den Souvenir-Alben aufbewahrten Coburger Ansichten rechtfertigen das Vertrauen, das man in seine Kunst setzte. William Corden ist es gelungen, die mit größter Genauigkeit wiedergegebenen Gassen und Plätze der kleinen Residenz mit malerischen Figurengruppen zu beleben, an denen eine Königin Gefallen finden mußte, deren Auge von Jugend an gewöhnt war, in Werken der bildenden Kunst vor allem „das Malerische" (the picturesque) zu sehen und die bei ihren Besuchen in Coburg auch selbst „malerische" Volkstrachten nach lebenden bäuerli­chen Modellen zeichnete und aquarellierte.

 

                                                                                         Herbert Appeltshauser

 

Schloß Ehrenburg m Coburg, Aquarell 25,5 : 35 cm

Nicht bez., William Corden zugeschrieben

 

„Hier ist gut wohnen", hatte Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha im Jahre 1826 auf eine Medaille mit dem Bild der Ehrenburg prägen lassen. Nach mehr als lOOjähriger Vernachlässigung war das alte Schloß wieder zu einer würdigen Stadtresidenz geworden, deren in englische Neugotik ver­kleidete Fassaden der königlichen Auftraggeberin des jungen Künstlers ganz vertraut erscheinen mußten. Durch die Anlage des Rondells und die Aufstellung des von Ludwig Schwanthaler geschaffenen Bronzedenkmals für Ernst I. im August 1849 ist das heutige Erscheinungsbild des Schloßplatzes voll­endet worden.

 

Die Spitalgasse in Coburg, William Corden (1820-1900) Aquarell 25,5 : 35 cm Bez.: W. C. 1844

 

„Das Pflaster in Coburg ist fürchterlich", schrieb Königin Viktoria am 21. August 1845 in ihr Tage­buch, auch das der Spitalgasse, der Hauptstraße der herzoglichen Residenzstadt Coburg, scheint hol­prig genug gewesen zu sein. Ein Rindergespann vor einem Leiterwagen hat sich breit darauf hingela­gert, eine Frau in ländlicher Tracht, barfuß, mit abgestelltem „Huckelkorb", lehnt an der Wand des Eckhauses zur Kleinen Johannisgasse, der heutigen Stadtapotheke. Der Blick wird entlang der heller­leuchteten Front der östlichen Häuserzeile in die Tiefe der Gasse geführt, vom alten Gasthof „Zum Schwarzen Bären" und dem „Luchese-Haus" mit seinem von Atlanten getragenen Erker vor der reich stuckierten Fassade bis zum hohen Giebel des Regierungsgebäudes am Markt. An der rechten Straßen­seite ragt der Balkon des Hotels „Weißer Schwan", der besten Fremdenherberge der Stadt, weit in die Gasse hinein, der Brunnen darunter wurde 1825 von deren Mitte an diese Stelle verlegt, „um für den Verkehr mehr Platz zu gewinnen". Im Haus „Zum Hörnlesbeck" daneben sind von 1570 bis 1980 ununterbrochen allerlei Backwaren verkauft worden. Das stattliche Barockhaus an der Ecke zum Mauergäßchen wurde wahrscheinlich von dem Doktor beider Rechte und Regierungsadvokaten Jo­hann Philipp Eschenbach nach 1683 erbaut; er hatte das Grundstück in diesem Jahr von Barbara Krug sei. Erben erkauft. Das Erdgeschoß mit dem Renaissanceportal und der runden Fensteröffnung dane­ben gleicht dem des Hauses Herrngasse 17 (Stadtbücherei), es ist wohl von einem älteren Vorgänger­bau übernommen worden. Darüber erhebt sich die zweigeschossige Fassade, die in allen Einzelheiten der Gliederung und Ornamentik der des schräg gegenüberliegenden Hauses Spitalgasse 12 (Kaufhaus Mohren) entspricht und wohl auch von denselben Künstlern erbaut, stuckiert und bemalt worden ist. Seit 1857 ist das Grundstück im Besitz der Firma Dürbeck, die 1958 ein modernes Geschäftshaus dar­auf errichtete.

 

 

 

 

 

Coburg, Judengasse, William Corden (1820-1900) Aquarell 26 : 34 cm Bez.: W. C. 1844

 

William Cordens Aquarell von 1844 zeigt die Judengasse, wie sie fast unverändert bis zum Beginn unseres Jahrhunderts bestanden hat. Das Vortor wurde 1899 abgebrochen, wobei man das Wappen aus der Zeit des Herzogs Johann Casimir an den hohen Judentorturm versetzte. Das Haus mit dem schieferverkleideten Giebel daneben gehörte dem Kaufmann August Mönch, der an dessen Stelle 1901 ein aufwendiges Wohn- und Geschäftshaus für seine 1881 gegründete Kolonialwarenhandlung er­bauen ließ. In dem Eckhaus am rechten Bildrand wurde seit 1533 eine Bäckerei mit Bierausschank betrieben, heute befindet sich darin ein Lokal der Kulmbacher Reichelbrauerei.

 

 

 

Coburg, Das Zinkenwehr mit Blick zum Säumarkt, William Corden (1820-1900) Aquarell 26,5 : 35 cm Bez.: W. C. 1844

 

Der „Saumarkt" wurde, als man ihn 1861 in „Albertsplatz" umbenannte, in die untere Ketschengasse verlegt. Auf seinem Aquarell von 1844 schildert W. Corden das Zinkenwehr — die Straße ist nach einem in der Nahe gelegenen Wehr der Itz benannt, an dem das vom Thüringer Wald herabgeflößte Scheitholz aufgefangen wurde — als friedvolle dörfliche Idylle. Die Scheunen und Schuppen am Ende der linken Häuserzeile, hinter der die Türme der Morizkirche und des Gymnasiums aufragen, wurden 1859 abgerissen, um dem Neubau der 1862 eröffneten Lutherschule Platz zu machen. Im Hause davor etablierte Ernst Kniesa 1907 die Gastwirtschaft „Zum Henneberger Haus", das Eckgebäude zur heu­tigen Goethestraße ist in alter Form erhalten geblieben, wird aber wahrscheinlich noch 1983 der Stadt­sanierung zum Opfer fallen. Anstelle der Scheunen an der gegenüberliegenden Straßenseite ist 1870 ein eindrucksvolles Ensemble neugotischer Häuser entstanden. Hier gründete der Hofphotograph Pro­fessor Uhlenhuth 1880 ein „Photographisches Atelier", das bis zum Ende der europäischen Fürstenherrlichkeit hohe und allerhöchste Herrschaften mit unzähligen Porträt- und Gruppenaufnahmen be­lieferte.

 

 

 

Marktplatz in Coburg, Unbekannt, Aquarell 18,2 : 26 cm

 

Der unbekannte Künstler schildert mit hohem malerischen Geschick und offensichtlicher Freude an komplizierten Lichteffekten ein nächtliches Ereignis auf dem Marktplatz. Das Blatt dürfte eine der drei Coburger Ansichten sein, die Prinz Albert der Königin Victoria im Februar 1861 zur 21. (und letzten) Feier ihres Hochzeitstages schenkte.

 

Ein Bruchstück von Coburg — nach der südlichen Seite —

Ein Bruchstück von Coburg — nach der nordwestlichen Seite —

August Eberhard, 2 Aquarelle 30 : 41 cm, Bez.: Aug. Eberhard fec.

 

Ein wundertätiges Marienbild ließ die außerhalb der Stadt an einer Furt gelegene Kirche zum Hl. Kreuz bis zur Reformation zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort werden. Ihre heutige Gestalt wurde ihr 1738 bei einem Umbau durch den ansbachischen Baumeister Johann David Steingruber verliehen. Jenseits der mit einem alten Bildstock gezierten steinernen Itzbrücke ist das Armen- und Siechenhaus zu sehen, eine 1414 gestiftete Anstalt zur Pflege armer Bürger, die wegen ansteckender Krankheit nicht in die Stadt eingelassen werden konnten. 1819 wurde in dem Haus ein Spital für Handwerksburschen, Dienstboten und Militärpersonen eingerichtet, das bis zur Eröffnung eines städtischen Krankenhauses in der Schwarzen Allee im Jahre 1862 bestand. August Eberhard (dessen Lebensdaten nicht ermittelt werden konnten) hat um 1830 auf seinen beiden Deckfarbenbildern mit liebevoller Sorgfalt „ein Bruchstück von Coburg" dargestellt, das ihm wohl besonders vertraut gewesen ist.

Herbert Appeltshauser

 

 

 

 

Coburg von Südwesten, Theodor Rothbarth (1823-1891)

Aquarell 31,3 : 47 cm, Bez.: Th. Rothbarth. Sept. 1860 

 

Das von den westlichen Höhen am Weichengereuth gesehene Bild der Stadt ist ein Zeugnis der begin­nenden Industrialisierung Coburgs. Im Vordergrund, in der Lücke zwischen dunklen Baumkulissen, ist der Schienenstrang der am 15. Dezember 1858 eröffneten Eisenbahnlinie Lichtenfels — Coburg zu erkennen. Auf den von der Itz durchflossenen weiten Wiesen im Süden der Stadt wurde 1854 eine Holzgasfabrik errichtet, deren beide Schornsteine schwarze Rauchwolken ausstoßen. Die an dieser Stelle nunmehr vom herabrieselnden Ruß bedrohten Bleichbahnen und Trockenplätze der Coburger Leineweber und Hausfrauen mußten daher an den Floßanger am Judentor (auf das Gelände der heu­tigen Rückertschule) verlegt werden. Hinter der im Jahre 1848 gepflanzten vierfachen Baumreihe am Anger leuchtet im Sonnenlicht das altvertraute Bild der Häuser und Türme. Entlang der 1841 angeleg­ten Alexandrinenstraße sind die ersten neuen Villen entstanden. Auf dem Hügel darüber sind zwei große Gebäude am ehemaligen Glockengießhaus und das 1854 — 1859 erbaute neue herzogliche Mau­soleum zu sehen. Die auf noch wenig baumbestandener Höhe thronende Veste Coburg zeigt sich in der neuen Gestalt der unter Herzog Ernst II. ausgeführten baulichen Veränderungen an ihren Mauern und Türmen.

 

 

 

Coburg. Brunnen in der Ketschengasse

William Corden (1820-1900) Aquarell 35 : 25,5 cm Bez.: W. Corden 1844

 

Der 1618 zuerst in Holz und vor dem Ende des 17. Jahrhunderts in Stein erbaute große Kastenbrunnen in der Ketschengasse diente als Löschwasserbehälter bei Feuersgefahr. Im Jahre 1899 wurde das achteckige Steinbecken abgetragen und durch einen kleinen Sand­steintrog ersetzt; die Brunnensäule mit dem wappentragenden Löwen blieb erhalten. Eine Gruppe von Coburgerinnen in malerischer Tracht hat sich am Brunnen eingefunden, um ihre Butten mit dem seit 1837 vom Pilgrams-roth in eisernen Röhren hergeleiteten klaren Quellwasser zu füllen.

 

 

 

Ansicht von Coburg gegen Norden

Johann Albrecht Friedrich Rauscher (1754-1808) Radierung, koloriert 10,5 : 15,5 cm Bez.: Fr. Rauscher rad.

Die altkolorierte Radierung des in Coburg geborenen Johann Albrecht Friedrich Rauscher, seit 1785 Hofmaler in Diensten des Herzogs Ernst Friedrich von Coburg-Saalfeld, zeigt die noch kaum über ihren mittelalterlichen Mauerring hinausgewachsene Residenzstadt Coburg um das Jahr 1800. Jean Paul hatte im Juli 1803 in der Gymnasiumsgasse in dem auf der Radierung sichtbaren gelben Haus zwischen Rathaus und Morizkirche „ein göttliches Logis" bezogen. Von einem Fenster, „das den gan­zen Itzgrund beherrscht", konnte er an Sonntagen „den singenden, orgelnden und redenden Gottes­dienst" in der nahen Salvatorkirche an seinem Schreibtisch hören.

 

 

Die Veste Coburg mit Bürglaßschlößchen, Waisenhaus und Stahlhütte

Amalie König Deckfarben 17,8 : 26,7 cm Bez.: Amalie König pinx.

Die von Herzog Johann Casimir 1605 — 1608 an der Stelle des heutigen Landestheaters errichtete Stahlhütte war Gesellschafts- und Hochzeitshaus der Coburger Armbrustschützen. Nach vorüberge­hender Nutzung als Münzstätte wurde 1702 in dem Gebäude ein Waisenhaus eingerichtet, das ab 1837 dem Neubau des herzoglichen Hoftheaters weichen mußte. Das erfrischend naive Deckfarbengemälde der Amalie König zeigt links das Bürglaßschlößchen, von 1794 bis 1815 Alterssitz des Feldmarschalls Prinz Friedrich Josias, und rechts das Waisenhaus mit dem Rest der Casimirianischen Stahlhütte. Der Blaue Turm und das Uhrtürmchen über dem Haupttor der Veste tragen noch ihre alten Zwiebelhau­ben, auf dem Oberen Wall war nach Einebnung des Grabens von 1827 —1838 ein Spazierweg rund um die Veste angelegt worden.

 

Coburg vom Steintor gesehen, Georg Hohlweg (1808-1873)

Aquarell 11 : 18 cm Bez.: G. Hohlweg 1839

 

Georg Hohlweg, 1808 in Coburg geboren, lebte bis zu seinem Tode als Gesellschafter und Hofmaler des Herzogs Alexander von Württemberg auf Schloß Fantaisie bei Bayreuth. Sein Aquarell vom Jahre 1839 gibt die Ansicht einer Villa wieder, die einstmals auf der Höhe vor dem Steintor, am Beginn der Seidmannsdorfer Straße stand. Es war ein klassizistischer Zentralbau mit einem von jonischen Säulen getragenen Portikus, zu dem eine Freitreppe emporführte, das Giebelfeld war, wie eine spätere Photographie zeigt, mit einem Relief geschmückt. Das Innere enthielt einen kreisrunden überkuppelten Sa­lon und mehrere kleine Nebenräume. Der Bau wurde wahrscheinlich um 1820/30 von dem Rath und Hofapotheker Christoph Heinrich Donauer aufgeführt; ein Erbe, der k. u. k. Lieutenant Friedrich Wilhelm Donauer, verkaufte das Haus und den umgebenden Park mit altem Baumbestand 1867 an den Privatier Ferdinand Scheller. Dieser hat in den folgenden Jahren das Gartenhaus durch Anfügung mehrerer Zimmer und eines Turmes zu einer geräumigen Villa ausgebaut, damit aber auch seine klas­sische Form beeinträchtigt. Das Gelände ging später in den Besitz der Stadt Coburg über, 1952 — 1955 wurde darauf der Neubau des Alexandrinums errichtet. Freitreppen und ein gewölbter Kellereingang mit schöner Sandsteinbalustrade sind von der alten Anlage übrig geblieben.

Hinter üppigem Baumbe­wuchs halb verborgen, erscheinen Morizkirche, Schloß Ehrenburg und das Dach des Marstalls, im Hintergrund ist, stark überhöht, Schloß Callenberg zu erkennen.

 

 

Marktplatz in Coburg. Unbekannt Aquarell 18,2 : 26 cm

Der unbekannte Künstler schildert mit hohem malerischen Geschick und offensichtlicher Freude an komplizierten Lichteffekten ein nächtliches Ereignis auf dem Marktplatz. Das Blatt dürfte eine der drei Coburger Ansichten sein, die Prinz Albert der Königin Victoria im Februar 1861 zur 21. (und letzten) Feier ihres Hochzeitstages schenkte.

 

Ein Bruchstück von Coburg — nach der südlichen Seite —

Ein Bruchstück von Coburg — nach der nordwestlichen Seite —

August Eberhard 2 Aquarelle 30 : 41 cm Bez.: Aug. Eberhard fec.

 

Ein wundertätiges Marienbild ließ die außerhalb der Stadt an einer Furt gelegene Kirche zum Hl. Kreuz bis zur Reformation zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort werden. Ihre heutige Gestalt wurde ihr 1738 bei einem Umbau durch den ansbachischen Baumeister Johann David Steingruber verliehen. Jenseits der mit einem alten Bildstock gezierten steinernen Itzbrücke ist das Armen- und Siechenhaus zu sehen, eine 1414 gestiftete Anstalt zur Pflege armer Bürger, die wegen ansteckender Krankheit nicht in die Stadt eingelassen werden konnten. 1819 wurde in dem Haus ein Spital für Handwerksburschen, Dienstboten und Militärpersonen eingerichtet, das bis zur Eröffnung eines städtischen Krankenhauses in der Schwarzen Allee im Jahre 1862 bestand. August Eberhard (dessen Lebensdaten nicht ermittelt werden konnten) hat um 1830 auf seinen beiden Deckfarbenbildern mit liebevoller Sorgfalt „ein Bruchstück von Coburg" dargestellt, das ihm wohl besonders vertraut gewesen ist.          Herbert Appeltshauser