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Aus: Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Gem. Stadtbild Coburg e.V. 1998
25 Jahre
Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V.  1973 bis 1998
 
Ein Vierteljahrhundert ehrenamtlicher Einsatz für die Erhaltung der historischen Substanz und des Stadtbildes von Coburg, dies rechtfertigt einen Rückblick auf die Tätigkeit der vergangenen 25 Jahre.
Eine Zusammenfassung der allgemeinen Tätigkeit der Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V. gab die Festschrift zum 15jährigen Jubiläum. Dies soll hier nicht wiederholt werden. Erinnert sei jedoch an die Mitglieder, die am 10. April 1973 die Gründungsurkunde unterzeichnet haben:
Dr. Karl Keyßner, Dr. Ing. Wolfram Freiherr v. Erffa, Herbert Appeltshauser, K. Brecht Armbrecht, Johannes Holzberger, Walter Reißig und Andreas Mundt.

Hinzu kamen als Gründungsmitglieder und Aktive, die die Coburger Bürger auf-zurütteln versuchten, die damalige Zerstörung der Stadt durch Flächensanie-rungen und Abbruch historischer Gebäude zu bekämpfen:
Dr. Klaus Freiherr von Andrian-Werburg, Ralf Britzke, Albert Freiberg, Dr. Kurt Herold, Friedemann Lysek, Prof. Hans Müller, Friedrich Rauer, Robert Reiter und Walter Schneier.

Das Ziel ihrer Tätigkeit beschrieben die damaligen Aktiven wie folgt:

"In einem bisher nicht dagewesenen Tempo wird die bauliche Gestalt unserer Städte verän-dert. Von diesen Veränderungen sind insbesondere die historisch gewachsenen Straßen und Plätze im Stadtinneren betroffen. Hier bedürfen überalterte Bauteile der Sanierung - aber sinn-volle Stadtsanierung bedeutet nicht Abreißen und Neubauen, sondern sorgfältiges Abwägen heutiger Bedürfnisse und modernen Gestal-tungswillens gegenüber dem Gebot der Erhaltung dessen, was das Gesicht der gewachsenen Stadt ausmacht.
In diesen Fragen ist jeder Bürger der Stadt sachlich zuständig und zur Mitarbeit aufgerufen. Spätere Generationen hätten kein Verständnis für uns, wenn im Bild der Stadt Wertvolles und Einmaliges unwiederbringlich preisgegeben würde. Eine Gruppe Coburger Bürger hat sich in die-sem Sinne zu einer Gemeinschaft "Stadtbild Coburg' zusammengefunden und möchte breitere Kreise für städtebauliche Belange interessieren und zur Mitsprache anregen."


In diesem Sinne wurde seit nunmehr 25 Jahren Öffentlichkeitsarbeit und Bewußtseinsbildung betrieben. Hierfür setzten wir Altstadtfeste, Fassaden-prämierungen, Stadtbildrunde, Gesprächskreise mit Coburger Spaziergängen, Vorträge zur Denk-malspflege, Stadtbildmappen, Thermografie und die finanzielle Förderung denkmalspflegerischer und stadtbildpflegender Maßnahmen in einem Tür- und Fensterrenovierungsprogramm ein.
Rückblickend kann man die 25 Jahre dahingehend beurteilen, daß sich die Arbeit gelohnt und der Gedanke der Stadtbildpflege und des Denkmalsschutzes Eingang in die tägliche politische Arbeit in Stadtrat und Stadtverwaltung gefunden haben.
Aus der ursprünglich kämpferischen Auseinandersetzung zwischen der Gemeinschaft einerseits, den Kommunalpolitikern und der Stadtverwaltung andererseits hat sich allmählich eine beiderseits verständnisvolle Zusammenarbeit herausgebildet. In vielen Fällen kann die Gemeinschaft bereits im Vorfeld zu den Planungen der Stadt Stellung nehmen, da sie wie ein Träger öffentlicher Belange behandelt wird. Gemeinsam prämieren die Stadt und die Gemeinschaft jährlich gelungene Hausrenovierungen und- sanierungen. Heute finden sich auch im Bausenat aktive Stadträte, die vorrangig den Gedanken des Denkmalschutzes pfle-gen.

Trotz dieser positiven Entwicklung erscheint auch in Zukunft die Tätigkeit der Gemeinschaft Stadtbild Coburg wichtig. Auch dies haben bereits die Gründungsmitglieder in ihrem Aufruf zusammengefaßt:

"Wir halten die Gründung eines Bürgervereins für sinnvoll, dem dann die Aufgabe erwächst, das Baugeschehen im ganzen Stadtgebiet aufmerksam und kritisch zu verfolgen, zu Einzelfragen Stellung zu nehmen und sich vor allem für die Erhaltung der historischen Substanz im Interesse aller Bürger einzuset-zen. Der Heimatpfleger, der die selben Ziele sozusagen von Amts wegen verfolgt, kann wirkungsvoller arbeiten, wenn er zahlreiche Bürger hinter sich hat. Schließlich wird ein solches Engagement der Bürger seine Wirkung auf die oft schwierige persönliche Entscheidung des einzelnen Stadtrates nicht verfehlen. Auch die Sorge um die historischen Parkanlagen, um die Grünflächen und Spazierwege verdient einbezpgen zu wer-den."

In diesem Sinne ist etwa der Einsatz der Gemeinschaft Stadtbild Coburg gegen die "Bimmelbahn" zu sehen:

Nach dem Willen einer Mehrheit im Stadtrat mußte dieses übelriechende und lärmverursachende Fahrzeug unbedingt durch den Hofgarten fahren und trug damit zur Zerstörung die-ser historischen Parkanlage bei. Zusammen mit anderen Kräften setzte sich die Gemeinschaft Stadtbild Coburg für ein Bürgerbegehren ein, das dieses Gefährt auf die Festungsstraße verbannen sollte.
Der Antrag auf Zulassung des Bürgerbegehrens wurde zwar vom Stadtrat wiederum mit einer großen Mehrheit abgelehnt, jedoch scheint der Weg bis zum Bayerischen Verwaltungsge-richtshof in München hier noch im Jahr 1998 den Bürgern Recht zu geben.

An weiteren Tätigkeitsfeldern in Zukunft mangelt es nicht:
In Coburg steht der Bebauungsplan "Festungsberg" auf der Tagesordnung. Hier wird die Gemeinschaft Stadtbild Coburg sich dafür einsetzen, dass der Festungsberg nur maßvoll verändert und insbesondere nicht zum modernen Baugebiet umfunktioniert wird. In der Gestaltung des Hofgartens wird sich die Gemeinschaft in dem Sinne engagieren, dass hier auch größere Eingriffe vorgenommen werden können, um den historischen Park wieder deutlich zu machen und insbesondere die Sichtbeziehungen zwischen Festung und Stadt besser herauszuarbeiten.
Wichtig bleibt der Einsatz für das innerstädtische Grün, nicht zuletzt den sog. „Federsgarten" und den Grüngürtel um die Stadt herum, vor allem also für den Hofbräugrund und den gesamten Grüngürtel im Westen der Stadt als Gegenstück zum Hofgarten und Festungsberg.
Angesichts des immer größeren Landverbrauchs durch das moderne Bauen sollen überhaupt die Sichtbeziehungen zwischen prägenden Punkten der Landschaft erhalten bleiben und versucht werden, insoweit auch Einfluss auf die Bautätigkeit zu nehmen. Bauen soll auch in Zukunft nicht Umweltzerstörung sein, sondern Rücksicht auf die natürliche und die bebaute Umwelt nehmen.
In diesem Sinne hofft die Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V. auch in Zukunft noch engagierte Bürger zu finden, die bereit sind, sich für diese Arbeitsbereiche einzusetzen. Die Ge-meinschaft Stadtbild Coburg wendet sich an alle, die sich um die Zukunft der Stadt, in der sie leben, Sorge machen.
Sie wendet sich an alle Gegner der Tätigkeit der Gemeinschaft, die - oft aus vermeintlich wirtschaftlichen Gesichtspunkten, falschem Wachstumsdenken, einseitig auf den Pkw-Verkehr ausgerichteten Planungen und Missachtung des Althergebrachten - auch heute noch oft bereit sind, Haus für Haus ihr Zuhause zu zerstören.
Sie wendet sich an alle, die sich mit Denkmals- und Stadtbildpflege beschäftigen oder noch beschäftigen wollen.
Sie wendet sich weiter dankbar an alle, die in den letzten 25 Jahren aktiv mitgearbeitet ha-ben, Stunden um Stunden ihrer Freizeit geopfert oder durch Spenden die Tätigkeit unterstützt haben.
Dr. Hans-H. Eidt, Coburg 1. Vorsitzender

 

 

 

Aus: Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Gem. Stadtbild Coburg e.V. 1998

Rückblick auf das Spendenpro-gramm der Fa. BROSE für Denkmalschutz
 
Die letzten 10 Jahre der Tätigkeit der Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V. war wesentlich geprägt durch ein Spendenprogramm, das die Firma Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG in Coburg zusammen mit der Gemeinschaft Stadtbild Coburg entwickelte.
Schon immer hatte die Firma mit Spenden die verschiedenartigsten Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in Coburg unterstützt. Im Jahre 1987 beschlossen die Gesellschafter dieses Familienunternehmens, die bisher weit gespannten sozialen und kulturellen Unterstützungen mehr zu konzentrieren, um so eine stärkere Wirkung zu erzielen. Dieses Spendenprogramm sollte der Verschönerung der Heimatstadt der Gesellschafter des Unternehmens und damit auch der Werbung für dieses Unternehmen dienen. Insbesondere sollten private Gebäudeeigentümer bei der Sanierung unterstützt werden, soweit es sich um ein besonders exponiertes Objekt handelte und die Eigentümer auch unter Ausnutzung öffentlicher Fördermittel die Maßnahmen aus eigener Kraft nicht durchführen konnten (oder wollten). Voraussetzung war, dass die Gemeinschaft ein sinnvolles Konzept für die Vergabe und die Verteilung der Mittel aufstellte, um damit evtl. verbundene Eifersüchteleien zu verhindern. Deswegen sollte auch lediglich der engere Vorstand über die Mittelvergabe entscheiden.
Nachdem ein entsprechendes Programm erarbeitet und zwischen der spendenden Firma und der Gemeinschaft Stadtbild Coburg abgeklärt war, sagte die Firma Brose für 5 Jahre, beginnend Mitte 1987 eine Spende in Höhe von jährlich 300.000 DM zu.
Die Gemeinschaft Stadtbild Coburg hatte die Aufgabe, die Mittel nach dem vorgelegten Programm sinnvoll einzusetzen.
Der wesentliche Vorteil dieses Finanzierungsprogramms war, dass - im Gegensatz zur öffentlichen Hand - die private Gemeinschaft nicht an den Gleichbehandlungsgrundsatz ge- bunden war und damit auch "ungerecht" Gelder verteilen konnte.
 
LIEBE ZU COBURG
STADTBILD COBURG E V
unterstützt diese Renovierung aus Spenden der Fa. Brose. Coburg
So wurden Gebäude erhalten und gerettet, deren Eigentümer wegen fehlender Eigenmittel auch keine Zuschüsse aus der öffentlichen Hand erhalten konnten.
Es konnten Renovierungsmaßnahmen angeregt werden, die vom Eigentümer des Hauses selbst niemals veranlasst worden wären, weil die Maßnahmen weniger im Interesse des Eigen-tümers, als im Interesse der Allgemeinheit notwendig erschienen. Als besonderes Beispiel sei hierfür die Fassade des Hauses Rosengasse 16 genannt. Warum hätte der Eigentümer hier die alte Blechfassade wieder herstellen sollen, die letztlich ein verzichtbarer Zierrat gewesen ist, aber den gesamten Straßenzug jetzt, nach hervorragender Rekonstruktion, wieder schmückt?
Gleiches gilt für eine barocke Tür in einem Nebenhof im Steinweglein. Die inzwischen völlig verrottete Tür verschloss einen wenige Quadratmeter großen Innenhof, in dem die Mülltonnen standen. Das Denkmalsamt war an einer Renovierung interessiert, der Eigentümer nicht. Hier übernahm die Gemeinschaft Stadtbild Coburg die Kosten für die Renovierung der Türe.
Insgesamt konnten mehr als 70 Gebäude in das Programm einbezogen werden, in mehr als 40 Fällen diente die angekündigte zusätzliche Bezuschussung dazu, die Eigentümer über-haupt erst auf den Gedanken zu bringen, ihr Haus zu renovieren.
Für die einzelnen Objekte wurden völlig unterschiedliche Summen gezahlt, zwischen 500.000 DM etwa für den Hexenturm am Ernstplatz und 2.000 DM für die Fertigstellung eines denkmalsgeschützten Zaunes in der Rosenauer Straße.

Die Mittelvergabe erfolgte in unterschiedlichster Weise:
Zum großen Teil wandte sich der l. Vorsitzende Dr. Hans-Heinrich Eidt an Eigentümer von Gebäuden, deren Zustand renovierungsbedürftig war, um sie mit Mitteln dieses Programms zur Renovierung zu bewegen.
Im Laufe der Zeit wandten sich jedoch auch die Eigentümer bzw. deren Architekten selbst direkt an die Gemeinschaft Stadtbild Coburg, um Unterstützungen zu erhalten.
Anschließend wurde zwischen Eigentümer und Gemeinschaft in Zusammenarbeit aber auch mit der Stadt wegen der dort beantragten öffentlichen Zuschüsse eine Abstimmung herbeigeführt. Abgesehen von einigen Großinvestitionen in drei Gebäuden, vor allem beim Hexenturm, beim Haus Rosengasse 16 und Pfarrgasse l wurden durchschnittlich Beträge zwischen 10.000 und 30.000 DM vergeben.
Die Auszahlung erfolgte jedoch erst nach Fertigstellung und oft direkt an die Handwerker. Bei den größeren Summen wurde ein Teil der Mittel als verlorener Zuschuss gegeben, der Rest aber als Darlehen auch mit grundbuchlicher Absicherung. In einem Fall erhielt der Eigentümer zu dem Zuschuss ein zinsfreies Darlehen von 150.000 DM, rückzahlbar in gleichblei-benden Raten von 5.000 DM pro Jahr, wobei diese Raten in jedem Jahr, in dem der Eigen-tümer oder seine Familie das Haus selbst nutzten, mit 5.000 DM getilgt wurden. Im Falle einer Veräußerung (und damit der Versilberung des gegebenen Zuschusses) hat der Eigentümer die dann noch offenstehende Darlehenssumme zurückzuzahlen.
In anderen Fällen benötigten die Eigentümer lediglich zinsfreie Zwischenfinanzierungsdarle-hen, bis private oder öffentliche Mittel zur Verfügung standen.
In zwei Fällen bot die Gemeinschaft einen Zuschuss an, jedoch verzichtete der Eigentümer, nachdem er sich zur Renovierung hatte anregen lassen, auf den Zuschuss und sanierte sein Gebäude aus eigenen Mitteln.
So wurde versucht, flexibel den Bedürfnissen des einzelnen Gebäudes und den finanziellen Mitteln des einzelnen Eigentümers entsprechend die Mittel möglichst wirkungsvoll einzusetzen.
Auf eines soll besonders hingewiesen werden: Die als Zuschuss gegebenen Summen aus dem Brose-Programm wurden dadurch multipliziert, dass die Ausgabe von Eigenmitteln und Mitteln der öffentlichen Hand erst durch eine Initialzündung aus dieser Spende angeregt wurden und die zugesagten Zuschüsse sich in einzelnen Fällen zu Bausummen vervielfältig-ten, die das 10- bis 30-fache des gegebenen Zuschusses ausmachten. Damit ist es gelungen, vielen Handwerkern Arbeit zu verschaffen, der Stadt Gewerbesteuereinnahmen zu erhalten und insgesamt in einem bisher nicht dagewesenen Maß die Verschönerung der Stadt im Ganzen zu fördern.
Nebenbei sei erwähnt, dass das Programm nicht nur Freude machte. Der finanzielle Einsatz der Firma Brose und der ideelle und zeitliche Einsatz der Vorstandsmitglieder der Gemein-schaft Stadtbild Coburg wurden arg strapaziert durch die Anfeindungen aus dem Bauamt. Gerade in den ersten Jahren des Programms setzte der damalige Zweite Bürgermeister Edu-ard Reichardt aus persönlichen, wenn auch nicht immer nachvollziehbaren Gründen alles daran, das Programm und die damit verbundene ehrenamtliche Tätigkeit zu behindern, wo dies nur möglich war. Dies ging soweit, dass er dem 1. Vorsitzenden zu Unrecht vorwarf, In-vestitionsbetrug, Unterschleif von Darlehenszinsen und die Förderung des Ausverkaufs reno-vierter Gebäude begangen zu haben. Erst mit dem Wechsel im Bürgermeisteramt war hier - leider sehr spät - eine sachliche Zusammenarbeit möglich, die, hätte sie früher eingesetzt, vielleicht auch zu einer Fortführung des Programms geführt hätte.
Natürlich erzeugte die ungleichmäßige, ja objektiv manchmal auch "ungerechte" Verteilung der Mittel Neid und Missgunst insbesondere der Bürger, denen eine Absage erteilt werden musste. Dies führte zu persönlichen Angriffen auf die in der Gemeinschaft Stadtbild Coburg tätigen Mitglieder. Oft konnte man nicht verstehen, dass die Zuschüsse sich am Zustand des Gebäudes und dem Wert seiner Erhaltung für die Stadt, nicht aber in erster Linie daran orientierte, ob der Eigentümer diese Spende "verdient hatte" oder nicht.
Die im folgenden dargestellten Objekte sind allen, die daran mitgearbeitet haben, fast wie eigene ans Herz gewachsen.
Bei einem Spaziergang durch die Stadt erkennt man viele der renovierten Gebäude als "mein Gebäude", und die Mitarbeiter der Fa. Brose, die diese materielle Unterstützung gegeben hat, können im nun folgenden Bildteil stolz auch "ihre" renovierten Gebäude betrachten.
Wenn auch noch bis vor wenigen Monaten Rückläufe aus Zwischenfinanzierungsdarlehen eingingen, ist das Programm nun endgültig abgeschlossen. Und doch gibt es noch viel, das einer Unterstützung wert wäre. Viel könnte noch renoviert werden, scheitert aber an fehlenden Eigenmitteln. Manches Gebäudes könnte noch baulich verbessert werden, z.B. bei vorsichti-ger baulicher Schließung aufgerissener Schaufensterfassaden.
Gerade in der heutigen Zeit aber fehlen hierzu wohl die Finanzierungsmittel, auch wenn zu wünschen wäre, dass sich andere große Firmen in Coburg bereit finden könnten, vielleicht nicht in diesem Maße, aber in eingeschränkter Form, die Stadt und deren Bürger bei der Verschönerung renovierungsbedürftiger Gebäude zu unterstützen. Vielleicht findet sich wieder eine Firma, die wie die Fa. Brose ihren Stolz daran setzt, ein solches Projekt neu aufzulegen.
Nach dem Abschluss dieses einmaligen Spendenprogramms ist es berechtigt, all denen, die seine Durchführung bewirkt und ermöglicht haben, den Dank nicht nur der Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V., sondern gleichzeitig der Stadt Coburg und ihrer Bürger auszusprechen.
Dies gilt allen voran dem geschäftsführenden Gesellschafter der Fa. Brose, Herrn Michael Stoschek. Denn er war es, der die Idee zu diesem Renovierungsprogramm erdacht hat.
Zu danken ist jedoch auch den Gesellschaftern dieser Firma, die bereit waren, diese Idee aus-zuführen und den Betrag von 1.500.000 DM zur Verfügung zu stellen.
Der Dank gilt den Mitarbeitern der Fa. Brose, die dieses Geld erarbeiten mussten, bevor es zum Wohle ihrer Heimatstadt gespendet und ausgegeben werden konnte.
Zu danken ist aber auch den Vereinsmitgliedern der Gemeinschaft Stadtbild Coburg, die eh-renamtlich und kostenlos die Verwaltung der Mittel übernommen haben, so dass jede Mark direkt dem Zweck der Renovierung zugute kam.
Dank gesagt sei allen Handwerksfirmen und ihren Handwerkern, die das Programm dadurch unterstützten, dass sie sich oft bereit fanden, Preisnachlässe gegen Spendenbestätigung einzuräumen, um so auch von dieser Seite den guten Zweck zu fördern.
Gedankt sei Herrn Bürgermeister Dlouhy als Vertreter der Stadt Coburg, dem Bauamt und seinen Mitarbeitern, die auch in schwieriger Zeit das Programm - teilweise heimlich - unterstützten.
Dank verdienen aber nicht zuletzt auch die Eigentümer der renovierten Gebäude, die sich bereitfanden, eigene Mittel in weit größerem Umfang einzusetzen, und so zur Verschönerung ihres Gebäudes, aber auch unserer Stadt Coburg beizutragen.

 

 


 
"Hexenturm“ Ernstplatz 12 (Sonntagsschule)
Die ehemalige Fronfeste wird heute noch durch den Hexenturm geprägt, einen dreigeschossigen Rundturm aus Sandsteinquadern, der 1610 zum Hexenge-fängnis umgebaut, später neugotisch verändert wurde.
 
Im Hauptgebäude fand nach einer Stiftung der Herzogin Marie 1862/63 die Sonntagsschule eine Bleibe. Heute noch ist die „Stiftung Sonntagsschule" Ei-gentümer. Diese hatte einerseits keine Mittel zur Renovierung des Gebäudes, konnte aber andererseits auch keinen Käufer für das Haus finden.
Dies war die erste große Sanierungsaufgabe, die die Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V. anging. Das Gebäude war in schlechtem baulichen Zustand. Die Außenfassade musste neu verputzt, das Dach neu gedeckt und das gesamte Untergeschoß trockengelegt werden.
Im Saal wurde die holzvertäfelte Wand ausgebaut, um Feuchtigkeitsschäden zu beheben. Der Turm, der gravierende Bauschäden aufwies, musste mit erhebli-chem Aufwand saniert werden.

 


 
Rosengasse 16
 
Ursprünglich war dieses Gebäude mit einer Blechfassade verkleidet, die kostspieligen Sandstein vortäuschte. Vergleichbare Fassaden sind in Coburg am Marstall und an der Ehrenburg zu finden gewesen. Diese Blechfassade ist die einzige dieser Art an einem Bürgerhaus. Sie wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt und vom Eigentümer entlang der Dachkante abgeschnitten. Nach ur-sprünglichen Plänen, die der Zweite Vorsitzende der Gemeinschaft Stadtbild Coburg, Stephan Zapf, aufgefunden hatte, wurde in Zusammenarbeit mit einem geschickten Spenglermeister die gesamte Blechfassade rekonstruiert und mit der ursprünglichen Sandsteinfarbe kaschiert. Veranlaßt durch seine Erfahrungen an diesem Bau hat sich der Handwerker nun auf vergleichbare Arbeiten im Denkmalsschutz spezialisieren können. Im Untergeschoß war die Fassade aufgerissen. Durch Rückbau und Einsetzen von Sandsteinunterteilungen konnte auch hier das Gebäude wieder in seinen ursprünglichen Zustand rückgebaut werden. Diese Arbeiten stießen teilweise auf große Kritik, weil es sich nicht um "Denkmalsschutz", sondern "nur" um Stadtbildpflege handele.
Die Gemeinschaft Stadtbild Coburg e.V. hat es sich aber zum Ziel gesetzt, au-ßer Denkmalspflege auch die Pflege des Stadtbildes insgesamt zu fördern. Des-halb sind nicht nur die prominenten Denkmäler, sondern auch unscheinbare Gebäude, die das Stadtbild prägen, von Bedeutung. Wir meinen, dass die Re-konstruktion dieser Außenfassade die gesamte Rosengasse aufgewertet hat.