schnuerspavillon

12.12.2000 

 

Stadt Coburg  

- Stadtplanungsamt -

Steingasse 18

Bauleitplanung in Coburg

hier: Bebauungsplan Nr. 6/7 für das Gebiet „Festungsberg“

  

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

sehr geehrter Herr Angstmann, 

zum Bebauungsplan 6/7 „Festungsberg“ vom 21.11.2000 nehme ich für die Gemeinschaft Stadtbild Coburg wie folgt Stellung: 

1.   Grundsätzlich befürwortet die Gemeinschaft Stadtbild Coburg die Bemühungen, am Festungsberg einen Bebauungsplan aufzustellen, um den Druck, der von Bauwerbern ausgeübt wird, abzufangen. 

Grundsätzlich aber ist die Gemeinschaft Stadtbild Coburg der Ansicht, daß im gesamten Bebauungsplangebiet keine weiteren Bauvorhaben mehr zugelassen werden sollten, um den Charakter einer seit Ende des 19. Jahrhunderts dünn besiedelten Grünfläche zu erhalten. 

Dieser Grundsatz gilt in jedem Falle für eine Bebauung nördlich des Gustav-Freytag-Weges.

 

Wir erinnern daran, daß ein „verschwundener“ Bebauungsplan für den gesamten Bereich nördlich des Gustav-Freytag-Weges bis hinunter zum Hahnweg bestanden hat. Dieser Bebauungsplan hatte - wenn auch aus dem Jahre 1936 - die sinnvolle Grundlage, daß der Festungsberg vom Norden her vollkommen grün gehalten werden sollte. Diese Regelung hat auch weitgehend gegriffen, bis die Stadtverwaltung ohne Beschluß des Bausenates zwei Bauvorhaben am oberen Gustav-Freytag-Weg zugelassen hat, die bereits heute den Festungsberg durch die riesigen Fronten stören, die nach Norden wegen des Steilabfalls erheblich beeinträchtigender sind, als vom Gustav-Freytag-Weg her gesehen. Ohne hohe Fundamente, die schon das Kellergeschoß tragen, ist dort eine Bebauung nicht möglich. 

Deswegen muß auch nachhaltig Einspruch eingelegt werden gegen das Vorhaben, am oberen Gustav-Freytag-Weg die Grundstücke Flur-Nr. 34, 35/2 und 34, 35 weiter zu bebauen. Schon die Höhenschichtlinien zeigen, was jedermann in der Natur einsichtig wird: 

Es handelt sich hier um einen solchen Steilabfall, daß dieser nur mit schwersten Eingriffen in die Grünkulisse bebaut werden kann. Gebäude, die dort errichtet werden, müßten bis zur Kellersohle bereits derartig viele Höhenmeter übersteigen, daß der Anblick von Norden her vernichtend wäre.

 

Diese Bebauung sollte in keinem Falle zugelassen werden. 

2.   Ebenso erscheint problematisch die Bebauung der beiden Grundstücke 1851/4 und 1852/3 am Ende des Gustav-Freytag-Weges nach Westen hin. Abgesehen davon, daß das Grundstück 1851/4 nur schwer zu erschließen ist, sollte äußerstenfalls auf dem Gesamtgrundstück ein Baurecht zugelassen werden. 

3.   Eine Bebauung der Grundstücke Flur-Nr. 3446/3 und 3446/5 sollte ebenfalls nicht gestattet werden. Äußerstenfalls wäre es noch sinnvoll, das Grundstück 3446/3 einer Bebauung zuzuführen. Bei Grundstück 3446/5 handelt es sich um eine Hinterliegerbebauung, die in keinem Falle sinnvoll ist und daher ausgeschlossen werden sollte. Stattdessen sollte die Grünfläche, die bis zum Grundstück 3446/3 reicht, in die Hintergärten der Flurstücke 3446/4, 3446/3 , 3446/5, 3442/4 ausgedehnt werden. Auch dort sollte es sich lediglich um private Grünflächen handeln, die gärtnerisch genutzt werden. 

4.   Nicht einsichtig ist, warum die orange gestrichpunktete Grenze für die Flächen, in der die Verordnung betreffend die Bebauung des Festungsberges gilt, die östlich der Bergstraße und der künftigen Stichstraße am Grundstück der Gärtnerei Bauer entlang geführt wird, kein zusammen gehörendes Gebiet umschließt, sondern nördlich zum Bereich des Hahnwegs hin und südlich zum Reiterdenkmal im Hofgarten hin ausläuft. 

Es sollte näher definiert werden, welches geschlossene Gebiet durch diese Linie umschlossen wird.

Ebenso wenig ist nachvollziehbar, daß die rot-gestrichelte Linie, die den Ensemblebereich umgrenzen soll, nicht die Gebäude auf folgenden Flur-Nr. mit einbezieht: 

3445/7, 3445/2, 3445/4, 3421/1, 3420/4, 3420/2, 3446/2, 3446/4, 3449, 3444, 3447/2, 3448, 3445/4, 3445/2, 3445/7, 1844, 1845, 1868, 1871. 

Der Ensemblebereich ist also um diese Gebäude zu erweitern. 

Hinsichtlich des orangen strichgepunkteten Bereichs ist festzustellen, wo das geschlossene Gebiet liegt, das von dieser Linie gekennzeichnet wird. 

Die GRZ sollte nicht in abgestufter Form eingesetzt werden, sondern durchgehend mit 0,2 festgeschrieben werden. 

Soweit einzelne Gebäude durch frühere Genehmigungsverfahren von dieser GRZ abweichen, haben sie Bestandschutz. Insoweit muß keine neue Festlegung erfolgen, wie dies offensichtlich im Entwurf zum Bebauungsplan Nr. 6/7 vorgesehen ist. Damit entspricht die zulässige Nutzung auch der Baunutzungsverordnung. 

Soweit in der Begründung zum Bebauungsplan die Nutzung näher beschrieben wird (Ziff. 9.2 der Begründung), wird dem in vollem Umfang zugestimmt. 

Gleichzeitig aber sollte verhindert werden, daß durch Ausnutzung der vorgesehenen Bauflächen ähnlich gestaltete Eigentumswohnanlagen entstehen, wie sie - bedauerlicherweise - in der Bergstraße auf dem Flurstück-Nr. 1869 und in den Flur-Nr. 3454 und 3455 bereits entstanden sind. Es ist bekannt, daß verschiedene Bauwerber im Bereich des oberen Gustav-Freytag-Wegs bereits vorgesehen haben, insbesondere in zweiter Reihe noch Eigentumswohnanlagen zu errichten. Deshalb sollte für den Gesamtbereich ausdrücklich festgelegt werden, daß aus städtebaulichen, aber auch aus verkehrlichen Gründen die Zahl der Wohneinheiten pro Baufläche auf maximal 2 festgesetzt wird. Wie richtig dargestellt wird, ist das vorhandene Straßennetz nicht in der Lage, weiteren Verkehr aufzunehmen. 

5.   Im Vorentwurf zum Bebauungsplan Nr. 6/7 wird das Grundstück der Gärtnerei Bauer nun mit sechs Wohneinheiten überplant. Unter Berücksichtigung der dort bereits bestehenden Bebauung sollte dies vermieden werden und zwischen den beiden bestehenden Bauten auf Grundstück Nr. 3456/7 und 3457 nur noch ein weiteres Baurecht zugelassen werden, und südlich davon auf dem Grundstück 3458/4 nur noch ein weiteres Baurecht. 

Aus dem Vorentwurf nicht ersichtlich ist, wie die zukünftige Verbindungsstraße entlang dem Grundstück der Gärtnerei Bauer von der Bergstraße zur Festungsstraße geführt werden soll. Sollte der südliche Teil nicht als Fahrstraße, sondern nur als Gehweg entlang dem Grundstück Flur-Nr. 3456/5 eingeplant sein, wäre dies gerade noch verträglich. Auf keinen Fall kann zugelassen werden, daß südlich der Grundstücksgrenze zwischen den Grundstücken 3456/6 und 3456/5 noch Fahrverkehr geduldet wird. Dies würde zu einer unerträglichen Kreuzungssituation mit dem hoch liegenden Privatweg einerseits, mit der erheblich tiefer liegenden Festungsstraße andererseits führen. Aus der Begründung ergibt sich unter Ziff. 9.8, daß hier tatsächlich offenbar nur ein Fußweg weiter geführt werden soll, was auf jeden Fall festgesetzt werden sollte.

Es ist darauf hinzuweisen, daß die Verordnung betreffend die Bebauung des Festungsberges vom 28.06.1920 auf jeden Fall aufrecht erhalten werden sollte. Allerdings ergibt sich dann aus der jetzt orange gestrichpunkteten Linie, daß gerade das Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Bauer genau in diese Fläche fällt, die nun offenbar entgegen der damaligen Verordnung verstärkt überbaut werden soll. 

6.   Die den Festungsberg immer noch überziehende Planung aus den Jahren 1906 bzw. 1936, die den Festungsberg mit rechtwinkligen Straßen überzieht, sollte insgesamt in dem gesamten Bereich des überplanten Gebietes aufgehoben werden. 

7.   Die Grundgedanken der Planungen am Festungsberg, die 1920 und 1936 entwickelt wurden, sollten heute, wenn auch in angepaßter Form, weiter beachtet werden.

    Dies gilt hinsichtlich einer von Bebauung weitgehend freizuhaltender Zone um den oberen Teil des Festungsberges, ebenso wie ein völliges Freihalten der Nordseite des Festungsberges nördlich des Gustav-Freytag-Weges.

     Der Grundsatz sollte auch beibehalten werden, daß lediglich auf großen Grundstücksflächen tatsächlich große Villen mit äußerstenfalls einer Einliegerwohnung gebaut werden dürfen, wenn überhaupt eine Bebauung zugelassen werden soll. Unter Villa sollte dabei nicht das verstanden werden, was die Planer auf dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Bauer „vorgetäuscht“ haben (in ähnlicher Weise sind auch die Planer im Hofbräugrund vorgegangen): Als „Villa“ ein Haus zu verstehen, das auf einer erheblichen Grundfläche mehrere Geschosse hat, aber nicht mehr - wie die Villen um 1900 - für eine Familie, ggf. noch mit einer Einliegerwohnung geplant sind, sondern mit 6 - 8 Eigentumswohnungen mit 50 qm Wohnfläche vollgestopft werden. Unter „Villa“ wurde schon immer nach dem lateinischen Grundbegriff „Landhaus, Meierhof“ eine große Wohnanlage für eine Familie mit Anhang verstanden, nicht aber eine in einem großen Haus zusammen gefaßte Vielzahl von Wohnungen. Diese Bauten wurden berechtigterweise als „Mietskaserne“, nicht aber als „Villa“ bezeichnet.

Der vorliegende Entwurf des Bebauungsplan bemüht sich, diesen Grundsätzen zu entsprechen. Allerdings müssen diese Grundsätze auch entsprechend im Bebauungsplan gesichert und festgeschrieben sowie in die Praxis umgesetzt und die Durchführung kontrolliert werden. 

 

Gemeinschaft Stadtbild Coburg e. V.

für den Vorstand:

Dr. Hans-Heinrich Eidt

1. Vorsitzender